Buchtipps

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Literaturtipps & Rezensionen

Catherine Fairweather, Mark Luscombe-Whyte: Leben und Wohnen in Italien.

Wer hinter dem unaufgeregten Titel "Leben und Wohnen in Italien" einen Ratgeber für den reibungslosen Wohnortwechsel ins Land wo die Zitronen blüh'n erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Auch wer mit dem Stichwort Italien Dinge wie Töpferkurs, Selbsterfahrung oder gar Rimini assoziiert, ist hier nicht gut aufgehoben. Der im September 2001 in der Collection Rolf Heyne erschienene Bildband handelt von ausgemachten Paradiesen in einem der ohnehin schönsten Flecken der Erde - "in a place, meant for people to live", wie es ein schlauerer Mensch als ich auf den Punkt brachte.

In den hier in 3 Hauptkategorien ("klassische Villen und aristokratische Landsitze", "elegant-ländliche Landhäuser" und "Stadthäuser") vorgestellten 20 Anwesen lebt und arbeitet man nicht, man residiert und erschafft. Künstler, Intellektuelle und Prominente ermöglichen einen Augenblick auf etwas, das man mit einiger Berechtigung als sichtbaren Ausdruck eines schönen Geistes betrachten darf. Vom verwunschenen Castello im Genießerland Piemont über einen mittelalterlichen Wehrturm bei Florenz bis zum maurisch beseelten Kloster auf Pantelleria zwischen Sizilien und Tunesien öffnet sich hier für einen Moment ein Spaltbreit perfekte Welt.

Hier haben sich sämtlich Menschen einen Raum geschaffen, die nicht nur damit gesegnet sind, dass Geld keine Rolle spielt, sondern die darüber hinaus auch noch über Bildung und Geschmack verfügen. Das ist bekanntlich keine Selbstverständlichkeit, sorgt aber bei den vorgestellten Wohnjuwelen dafür, dass Innen- und Außenwelt, Haus und Landschaft, Interieur und diejenigen, die diese Pracht bewohnen dürfen, einander das Wasser reichen können.

Catherine Fairweather, in Italien aufgewachsene Korrespondentin für House and Garden, huldigt Ihrem Lieblingsland durch ebenso liebevolle wie kundige Annäherung an das Objekt und pflegt zu vielen Ihrer Gastgeber ein freundschaftliches Verhältnis. Das rührt daher, dass man gemeinsamen Geistes ist. Das tut dem Buch ebenso gut wie die Bebilderung durch Mark Luscombe-Whyte, einen der bekanntesten Fotografen für Innenaufnahmen in Großbritannien. Nur so kann ein Buch entstehen, das sich dem betrachteten Gegenstand öffnet und dabei weit jenseits irgendwelcher Home Stories liegt. Mit Sicherheit erfährt man aber über die glücklichen Bewohner mehr als in 10 Jahren Gala-Abonnement.

Anregungen kann man nicht erwarten, zu individuell und kostbar sind die vorgestellten Lebensentwürfe - die gleichwohl niemals protzig daherkommen. Wer also wissen möchte, wie Gore Vidals Blick auf die Amalfi-Küste aussieht, wie der Prinz von Lampedusa, die Prinzessin von Liechtenstein oder Modezaren wie Giancarlo Giammetti Ihren Tag zelebrieren, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Wem aber Italien sowieso als der Flecken bekannt ist, auf dem Gott die Erde geküßt hat, der sieht hier, wie er vermutlich wohnt. Und: Ja, ich beneide ihn darum.

Kai Tippmann

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