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Literaturtipps & Rezensionen

Paco Asensio: Häuser am Wasser. Wohnen mit spektakulärer Aussicht.

Mit "Häuser am Wasser" liegt nun die deutsche Übersetzung des 2000 erschienenen "Waterfront Homes" vor. Wie schon Paco Asensios "Häuser in den Bergen" handelt der aufwendig gestaltete Band von Wohngebäuden, die sich in beispielhafter Weise in den umgebenden Naturraum einfügen, dessen Besonderheiten respektieren und im Detail aufnehmen und gleichzeitig die Beziehung des jeweiligen Bauherrn zur Landschaft dokumentieren. Vorgestellt werden 23 Wohnhäuser - u.a. aus Spanien, Italien, Chile und der Schweiz - von denen jedes für sich die Besonderheit von Perspektive und Farben des Wohnens am Wasser aufgreift und individuell umsetzt.

Für Italien steht der gelungene Umbau eines alten Fischerhauses am Ortasee, der sich maroder Bausubstanz, strengen behördlichen Vorschriften und sehr ungewöhnlichen architektonischen Gegebenheiten gegenüber sah. Die Herausforderung wurde beispielhaft gemeistert. Am "See der Verliebten " im Piemont, in Orta St. Giulio südwestlich vom Lago Maggiore, entstand ein sich harmonisch in das alte Fischerstädtchen einfügendes Exempel einer gelungenen Verknüpfung klarer, moderner Linienführung mit vorhandener alter Bausubstanz. Dabei wurde auch die Hürde gemeistert, ein Objekt, dass vordem Bootshaus, Hühnerstall, Garten und Anlegesteg beinhaltete, zu einem kompromisslosen Wohngebäude umzufunktionieren. Besonders augenfällig ist der Kontrast zwischen der streng sachlichen Innenraumgestaltung und der wuchtig-rustikal anmutenden Dachkonstruktion, die das ungewöhnlich lange, bootsartig geformte Objekt überspannt.

Auch die anderen vorgestellten Konzeptionen illustrieren herausragende individuelle Lösungen besonderer technischer, klimatischer oder perspektivischer Herausforderungen, deren Schnittmenge immer die besondere Wohnsituation an offenen Gewässern ist.

Auch wenn schon aufgrund der Preislagen der vorgestellten Gebäude sich die Nachahmung meist verbietet, vervollständigt ein Architektenverzeichnis diesen Bildband. Keinesfalls jedoch liegt der Reiz von "Häuser am Wasser" in irgendeinem "Gebrauchswert" begründet: Die großformatigen, zeilweise doppelformatigen Fotos vermitteln ein sinnliches Vergnügen und eine praktische Anschauung wirklich moderner Architektur jenseits der postmodernen schablonenhaften Amerikanismen, mit denen sich in jüngster Zeit die Bürgermeister zahlreicher deutscher Kleinstädte ein Denkmal zu setzen versuchen. Jederzeit jedoch kann man dem Buch Anregungen entnehmen oder einfach die exzellenten Hochglanzdrucke genießen, deren Qualität derjenigen der vorgestellten Häuser in nichts nachsteht.

Ich empfehle das Buch jedem Architekturinteressierten und Genießer zum Kauf. Als Wein empfiehlt sich eine gute Flasche der Marchesi di Barolo, der preislich und geschmacklich jederzeit Schritt halten kann.

Kai Tippmann

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