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Literaturtipps & Rezensionen

Fabio Pusterla: Solange Zeit bleibt

"Ich habe keinem erlaubt, / mir bis hierhin zu folgen. / Nie werdet ihr wissen, / welchen Weg ich gegangen bin oder verfehlt habe."

Lieblich sind Pusterlas Alpen nicht. Lieblich ist überhaupt nicht viel in Pusterlas Gedichten. Mich selbst überkam der zweisprachige Gedichtband im Frühjahr 2003, draußen ist der erste urlaubswarme Frühlingstag am Lago Maggiore und leichte Zweifel melden sich, ob jemand, der in Mendrisio geboren ist, legitim Gedichte schreiben kann, deren sprachliche und inhaltliche Härte und Trostlosigkeit hart an der Grenze zur Koketterie entlangsegelt. Es ist aber 2003 und das mediale Panoptikum vor der heimischen Wohnzimmercouch tänzelt zwischen Säbelrasseln am Golf und familiärem Cocooning angesichts deutscher Suche nach weiteren Superstars.

"Tragt Sorge zu den Deichen, / wenn ihr noch könnt. Die Mauern bewacht, / die zerbrechlichen Schranken. / Jenseits ist Angst und Wut."

Habe zur Abwechslung ein ernsthaftes Gespräch geführt beim Wein. Der goldene Westen hat kein Interesse daran, in China die Demokratie einzuführen: Man stelle sich vor, die Chinesen verdienten einen menschenwürdigen Lohn und wollten alle zweimal jährlich in den Urlaub fahren, ihre Häuser elektrisch beleuchten oder - Gott bewahre - jeder ein Auto. Und China regelmäßig in die Steinzeit zurückzubomben, überstiege derzeit selbst die Mittel der Lieblings-Sheriffs. Dann wiederum hat sich Daniel Küblböck ins Goldene Buch seiner Heimatstadt Eggenfelden eingetragen, was an sich schon ein Akt der Nächstenliebe und Toleranz ist.

"Schaut uns an und staunt: / wir haben blaue giftige Federn, / leuchtende Krallen und Hauer, / Nacht um Nacht in den Augen, / und in den Händen das zarte Werkzeug der Lust."

Trost spendet Pusterla nicht, nichts gibt er einem an die Hand außer einem gesunden Mißtrauen gegenüber dem Offensichtlichen. Hart sind seine Bilder, steinig, es weht ein kalter Wind. Das sind nicht die kuschligen Alpen der "Sponda Grassa", denen man sich schon im März kurzärmlig nähern kann, das sind nicht die majestätischen, heldenhaften Alpen des Monte Rosso, das sind die unspektakulären kargen Alpen des Monte Zeda mit dürrer Vegetation zwischen Rest-Eis, Geröll und baumloser Hitze, seinerzeit bewohnte und bewirtschaftete Alpen aber. Heute leer bis auf ein paar Käuze, zum Beispiel 1945 von der Wehrmacht von Partisanen und vielen anderen Lebensformen bereinigt. Jetzt ist es romantisch.

"Erosion wird / die Alpen austilgen, sie gräbt zuerst Täler, / dann steile Schluchten, unheilbare Leeren, / Einsturz-Vorspiele, Strudel, Knirschlaute geben / das Zeichen zur Flucht. So ist es verfügt."

Der trostlose Pusterla rückt einem näher, als einem lieb ist. Pusterlas Krieg ist nicht heroisch, getragen vom Taumel der Masse, Pusterlas Krieg ist einsam, verängstigt und schon lange jenseits des Zweifels. "Solange Zeit bleibt" ist unangenehm aktuell, gerade weil es sich jede (nicht: jeder) Interpretation versagt. Bilder von Isolation, Stummheit, Einsamkeit und Mißtrauen gegen die Stoßrichtung der Zivilisation ziehen sich durch den Band, an keiner Stelle geben die Bilder des Schweizers einen Blick frei auf eine Alternative, eine Theorie, die Trost, Hoffnung oder auch nur Bedeutung verspricht. Adorno, der knochentrockene Frankfurter, wäre auf die Knie gegangen.

"Alles bereit. Schon länger. Sie sollen nur kommen. / Wir harren der Dinge im Herzen der Berge."

Vielleicht bleibt ja noch Zeit.

Kai Tippmann

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