Buchtipps

Alte Espressomaschinen

Diese historische Faema Urania ist komplett, aber weder instandgesetzt noch restauriert. Sie stammt aus dem Jahr 1960.FaemaUrania
Handhebel, 2-gruppig - Diese historische Faema Urania ist komplett, aber weder instandgesetzt noch restauriert. Sie stammt aus dem Jahr 1960.
Preis: 1900 Euro

Buchtipp:

Giorgio Specchia: Il buttafuori. Der RausschmeißerGiorgio Specchia: Il buttafuori. Der Rausschmeißer Die Geheimnisse der Mailänder Nacht in den Erzählungen eines der berühmtesten Türsteher der Stadt. Normalität und Wahnsinn von Fußballern, Persönlichkeiten...

Restauranttipp:

Ristorante El PescadorFischrestaurant aus dem Italien-Bilderbuch Atmosphärisch passt hier alles: die hellen Räume mit der Glasfront zum Hafen; der Blick über das Wasser und...

Besondere Immobilie

Landhaus bei Lucca in der ToskanaLandhaus bei Lucca in der Toskana
Das renovierungs bedürftige Landgut liegt in traumhafter Hügellage mit Blick auf Lucca (8 km) und nur 20 min. Autofahrt von...

Literaturtipps & Rezensionen

Jan Kobel (Fotos), Judith Rüber (Text): Venedig für Müßiggänger

Es gab Zeiten, da wäre ein Titel wie "Venedig für Müßiggänger" auf ungeteiltes Kopfschütteln gestoßen. Das war, bevor monatlich wechselnde Fitness-Trends, Animateure und action-beladene Erlebnistouren den Urlaub zur Fortsetzung des Arbeitsalltags mit anderen Mitteln überdrehten - und aus der ganz natürlichen Entspannung bei Freunden überhaupt einen benennenswerten Markt schufen. So kann man sich der "Serenissima" natürlich nicht nähern. Beständig drücken wir Deutschen uns die Nasen platt an der scheinbaren Unbekümmertheit und Lebenskunst unserer südländischen Mit-Europäer im Land des "alltäglichen, unspektakulären Genusses", dem Land der "kleinen Rituale der Entspannung und Geselligkeit". Wer solches erkennt, der ist schon ganz nah dran am Zauber dieser Stadt: schön, nicht "pretty".

Judith Rüber und Fotograf Jan Kobel nähern sich der Allzubekannten und nahezu Totbelichteten auf Nebenwegen, auf denen man geht, wenn man sie schon hundertmal besucht hat. Wunderbare Schwarzweißaufnahmen, natürlich, zeigen die Eingeborenen aus für ein Reisebuch untypischen Blickwinkeln. Kobel holt die Venezianer dort ab, wo sie sich üblicherweise aufhalten: Er fotografiert Jugendliche auf Vorort-Bolzplätzen, die Piazza San Marco ganz ohne Tauben, Gondelinsassen mit Regenschirm, einen Supermarkt-Truck auf einem Ponton, den Berufsverkehr oder eine verrostete Esso-Zapfsäule, die im körnig eingefangenen Frühnebel ihren ganz eigenen Charme entwickelt. Viele versprengte, liebevolle Blicke auf "gewöhnliche Begebenheiten" fügen Teile zu einem kontingenten Bild der Stadt und ihrer Bewohner, das durch die leichte Verschiebung des Blickwinkels, wie sie nur ein Stadtfremder entwickeln kann, seine volle Wirkung entwickelt. Glücklicherweise ganz ohne intellektuelle Überfrachtung und ohne vordergründige Metaphorik entsteht aus einer Unzahl von alltäglichen Momentaufnahmen eine ganz intime Impression: Natürlich wird in Venedig der Müll mit Lastkähnen abgeholt, wie denn sonst? Aber könnte man sich kakelbunte grölende BVBler aus Charlottenburg morgens um 7 Uhr auf einem solchen Kahn vorstellen?

Vielleicht ja doch. Die Autorin Judith Rüber greift die Steilvorlage ihres Fotografen gern auf und liefert mit der Leichtigkeit der Kennerin die treffenden Texte. Dass sie die überbordende Poesie der Stadt und besonders ihrer Abbildungen gern aufgreift, sei an dieser Stelle gewürdigt und nicht bemängelt, fügen sich doch Bild und Text so zu einer unaufdringlich reizvollen Einheit. Der Leser erfährt anekdotisch dargebotene Details im Überfluss und einen liebenswert detaillierten Blick hinter die Kulissen ohne die angestrengte Bemühung, beständig "Insider-Tips" geben zu müssen. Dass die vorgestellten Lokale und Sehenswürdigkeiten tatsächlich solche sind, ergibt sich ganz nebenbei aus der ernsthaften und kenntnisreichen Beschäftigung mit dem Objekt durch eine bekennende Genießerin, die sich bei aller Liebe den augenzwinkernden Blick bewahrt hat - denn immer noch wird die "Ernsthafte" von Italienern bewohnt, kein Platz also für Postkarten-Melancholie.

Ein wunderbares Buch also über eine der schönsten Städte der Welt, unaufdringlich gestaltet, sympathisierend begleitet und dem Sujet angemessen bebildert. Ein Buch, wie eine Vaporettofahrt, "wenngleich eher für den fortgeschrittenen Venedigreisenden, dem die Sensationen, die eine solche Fahrt bietet, schon fast so zur Gewohnheit geworden sind, wie den Einheimischen, die durch den Canal Grande fahren und die Zeitung lesen."

Kai Tippmann

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