Buchtipps

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Literaturtipps & Rezensionen

Hans Peter Bleuel, Robert von Aufschnaiter: Venetien und Friaul. Eine Region und ihre Küche.

Venetien und Friaul, im Nordosten Italiens, bietet eine der abwechslungsreichsten Küchen der Halbinsel. Als Schnittmenge von Gebirge und Meer, bäuerlich-alpiner Tradition der Dolomiten und Küstenfischerei, unter Einflüssen der k.u.k. Donaumonarchie und der kosmopolitischen Machtzentren Venedig und Triest, durchschnitten von Handelswegen und Heerstraßen entstand eine abwechslungsreiche Regionalküche, die oft genug recht "un-italienisch" daherkommt.

So verschiedenartig, wie die in diesem großformatigen und opulent bebilderten Band behandelten Landstriche, sind auch die vorgestellten Gerichte. Wie es sich für einen kulinarischen Reiseführer gehört, sind die Kapitel der italienischen Menüfolge angepasst und folgen ausgehend von den Antipasti über die Primi Piatti zu den Secondi und den Dolci. Unterbrochen werden die von Robert von Aufschnaiter hervorragend ins Bild gesetzten Rezepte immer wieder durch historische Exkurse, Anekdoten, Zitate und Intermezzi mit den besuchten Städten und ein kurzer Abriss der beliebtesten Käse- und Weinsorten.

Die sehr liebevolle und langwierige Beschäftigung mit dem Subjekt und die sehr individuelle Art der Darstellung trägt sehr zum lockeren Lesegenuss bei und sorgt dafür, dass man an dem Buch auch Freude hat, wenn man überhaupt nicht kochen kann. Bleuels Historie als Sprachforscher fließt immer wieder in entweder kenntnisreiche Erklärungen oder kurzweilige Spekulationen zur Herkunft der Speisen ein. Auch die Auseinandersetzung mit dem eigentümlichen venezianischen Dialekt erhellt einiges. Etymologie wird aber gottseidank nicht betrieben, höchstens ein Sinnieren des Nicht-Italieners über den Ursprung einer womöglich wieder einmal arg exotischen Mischung. Die Fotografien sind schön und illustrierend im ursprünglichen Sinne, ohne Effekthascherei oder modernistische Spirenzien.

Mehr noch als eine präzise Anleitung zum Nachkochen und Nachreisen, wofür sich der Band aber auch ausnehmend gut eignet, gelingt es Autor und Fotograf in schönster Einigkeit, wenigstens einen Teil des Zaubers zu vermitteln, den dieser geschichtsträchtige Landstrich für den aufmerksamen Reisenden bereithält. Das Buch atmet aus jeder Pore, dass Autor und Fotograf wissen, worüber sie schreiben - dass sie es auch mögen, ist angesichts des Sujets kaum vermeidlich. Das Buch aus dem Hause Hädecke steht zu vielen anderen Bänden, die sich mit dem Thema Venetien beschäftigen, im Gleichen Verhältnis wie das auf S. 130 erklärte Tirami Su zu dem, was Zott in Plastikbechern verkauft.

Frage an den Sprachforscher: Warum trägt beides den gleichen Namen?

Kai Tippmann

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